Ausdauertraining für Sanitätshunde

Hunde, welche im SanH 3 geführt werden, müssen fähig sein, mindestens 30 Minuten ununterbrochen suchen zu können. Dies ist im Vergleich zu Flächensuchhunden zwar wenig, aber überfordert trotzdem viele Hunde ohne spezielles Training.

Die meisten Hunderassen und die meisten Hunde bringen die konditionellen Voraussetzungen für den Spitzensport nicht einfach so mit. Selbst kleine, flinke und ausdauernde Hunde wie die Berger des Pyrénées müssen trainieren, und grössere Rassen sogar noch eher mehr.

Physische Kondition

Die physische Kondition kann mit Joggen oder Velofahren sehr gut ausserhalb des Sanitätshunde Trainings trainiert werden. Und ja, es ist natürlich darauf zu achten, dass Tempo und Distanz des Trainings auf die körperliche Verfassung des Hundes abgestimmt sind.

Die meisten Hunde werden nicht einfach aufhören zu rennen und trotz totaler Erschöpfung versuchen dem Hundeführer zu folgen. Deshalb muss man gerade mit jüngeren Hunden hier die Verantwortung selber übernehmen. Überhaupt sollte man (wie beim Menschen auch) erst mit dem erwachsenen Hund richtig zu trainieren beginnen.

Viele Hunde müssen zudem ans korrekte Verhalten beim Joggen oder Velofahren heran geführt werden. Auch sollten Kommandi wie "velo" für rechts neben dem Hundeführer/Velo laufen, "stop" zum Anhalten des Hundes auf Distanz gut sitzen, bevor man längere Strecken und an verkehrsreicheren Orten trainiert.

Und dann beginnt man zuerst mit kurzen Strecken, d.h. 50-100 Meter, dann 5 Minuten, 10 Minuten, und so weiter. Das Tempo ist so zu wählen, dass der Hund in einem zügigen Trab problemlos mithalten kann. An verkehrsreicheren Orten ist der Hund an einer speziellen Haltevorrichtung am Velo und ausgerüstet mit Geschirr anstatt Halsband zu führen. Keinesfalls einfach die Leine um den Lenker wickeln, die Unfallgefahr ist viel zu hoch. Auch für Jogger gibt es spezielle Hüftgurten mit elastischer Leine, welche wiederum beser am Geschirr als am Halsband befestigt wird.

Mentale Kondition

Neben einer guten körperlichen Verfassung braucht der Hund für das ausdauernde Suche auch eine gute mentale Kondition. Die Suche ist eine ziemlich harte und intensive Arbeit für den Hund. Das hat zwar auch körperliche Auswirkungen (man kann einen Anstieg der Körpertemperatur beobachten), aber vor allem wird der Hund mental müde. D.h. er läuft dann zwar vielleicht noch gut und schnell, aber suchen tut er nicht mehr.

Die Trainingsarten

Im Training unterscheide ich deshalb immer zwischen dem Lernen von technischen Details wie "gerade Schläge", "korrektes Bringseln", etc. und dem Trainieren der Ausdauer. Um die mentale Ausdauer zu trainieren geht man so vor:

  • Die Figuranten werden mit Würstli und vielen Spielsachen ausgerüstet.
  • Die Figuranten verschieben sich nach jedem Schlag mind. 20 Meter nach vorne im Revier.
  • Die Figuranten verstecken sich immer sehr gut, so dass der Hund sie nicht sehen kann, sondern suchen muss.
  • Die Figuranten geben dem Hund jeweils ein Würstli oder spielen mit ihm. Am Ende des Spiels überlassen sie ihm den Spielgegenstand.
  • Der Hundeführer nimmt die Spielsachen entgegen und arbeitet sonst möglichst flüssig auf der Mittellinie.
  • Der Hund ist immer in zügigem Trab/Galopp.

Die Aufgabe des Übungsleiters

Der Übungsleiter beobachtet den Hund und sorgt dafür, dass der Hundeführer mit dem Handling der vielen Spielgegenstände nicht überfordert ist.

Bei der Beobachtung des Hundes kann man folgendes feststellen:

  1. Phase
    Der Hund läuft ungestüm und oft auch im schnellen Galopp.
  2. Phase
    Der Hund findet seine Geschwindigkeit, in der er längere Zeit arbeiten kann. Dies ist meistens ein eher langsamer Galopp, bei grösseren Hunderassen aber auch ein schneller, zügiger Trab. Das Ziel ist es, diese Phase möglichst lange halten zu können. Bei jüngeren Hunden beginnt diese Phase so mit dem vierten, fünften Schlag und hält dann für vielleicht 8 Schläge an. Ältere, erfahrenere Hunde beginnen schon nach dem zweiten Schlag in diesem kräftesparenden Modus zu laufen und halten natürlich auch länger durch.
  3. Phase
    Der Hund beginnt nachzufragen, ob er noch laufen muss, sucht sich bequeme Wege, verpasst den gut versteckten Figuranten, etc. An solchen und ähnlichen Vorkommnissen merkt der Übungsleiter, dass hier das eigentliche Training beginnt. Denn dies ist die Phase, in der der Hund mental müde ist, sich nicht mehr richtig konzentrieren kann und deshalb Fehler macht, oder nach Bequemlichkeiten oder Abbruch sucht.

Training in Phase 3

Ist die dritte Phase erreicht, muss dem Hund noch für vielleicht vier oder fünf Schläge etwas besonderes geboten werden. Dies kann vieles sein, z.B.:

  • Der Figurant zeigt sich kurz, bevor der Hund geschickt wird.
  • Der Figurant macht Geräusche bevor der Hund geschickt wird.
  • Der Figurant verteilt einen Jackpot wenn der Hund ihn findet
  • Es wird von Würstli auf Parfait umgestellt oder auf attraktivere Spielsachen

Wichtig ist, dass das Training nicht mit Phase 2 beendet wird, sondern man den Hund unterstützt und in die Phase 3 führt. Damit trainiert der Hund seine mentale Stärke. Und noch wichtiger ist, dass man, auch wenns gut läuft, in Phase 3 den Hund immer gut beobachtet und ihn nur fordert und nie überfordert.

Fehler die passieren können

Wird der Hund in Phase 3 überfordert, verliert er den Spass am Training und wird deshalb keine Fortschritte mehr erzielen und an ev. Prüfungen schlecht abschneiden.

Anmerkung

Fällt ein Hund sehr schnell in die Phase 3, ist es unmöglich technische Trainings durchzuführen. Will man z.B. das Bringseln aufbauen, muss der Hund die mentale und physische Kondition haben, das Bringseltraining in der Phase 1 und 2 abschliessen zu können. Ist er in Phase 3, wird es für ihn sehr schwierig noch zu lernen. Deshalb müssen technische Trainings unbedingt immer am Anfang eines Trainings durchgeführt werden um einen Lernerfolg zu erzielen.