Bringseln

Aufbau des Bringselns für den Sanitätshund. Was ist zu beachten und welche Fehler können passieren. Oder wie korrigiert man Fehler im Aufbaue?

Bringseln ist nicht schwer, wenn der Hund das Apportieren beherrscht! Wieso muss er zuerst apportieren können? Nun ein oft gesehenes Problem ist das Fallen lassen des Bringsels kurz vor der Abgabe. Das passiert fast ausschliesslich bei Teams, die nicht zuverlässig apportieren können.

Schauen wir also zuerst das Apportieren an:

Die Grundlage für das Apprtieren ist das Spiel mit Gegenständen. Als Übungsleiter überprüfe ich die das Apportieren indem ich den Hundeführer kurz mit seinem Hund mit einem Gegenstand spielen lasse (vorzugsweise Beisswurst). Wenn das Team ein gutes Spiel zeigt, dann kann mit der Ausbildung des Apportierens und des Bringselns begonnen werden. Andernfalls muss zuerst das Spiel korrigiert werden.

 

Kriterien für ein gutes, richtiges Spiel mit dem Hund:

  1. Der Hund zeigt keine Beschwichtigungssignale und ist freudig dabei.
  2. Die Balance zwischen Vertrauen, Motivation und Regeln ist ausgeglichen.
  3. Der Hundeführer nutzt seine Überlegenheit an Gewicht und Kraft nicht aus.
  4. Der Hundeführer kreiert interessante Spielsituationen.
  5. Beide haben Spass am Spiel.

 

Es würde das Thema dieses Beitrages sprengen, hier den Aufbau eines guten Spiels (und des Apportierens) zu diskutieren. Deshalb gehen wir hier mit der Annahme weiter, dass der Hundeführer gut und richtig spielt mit seinem Hund.

 

Aufbau des Bringselns:

Wir beginnen damit, dass der Hund von den Figuranten nicht nur mit Futter, sondern auch mit Spielzeugen belohnt wird. Das Spielzeug bringt der Hund jeweils zurück zum Hundeführer. Klappt dies auch in unwegsamen Gelände oder durchs Dickicht und bringt der Hund die Gegenstände zuverlässig in die Obhut des Hundeführers, dann kann mit der eigentlichen Bringselarbeit begonnen werden.

Der auf kurze Distanz liegend Figurant gibt dem Hund ein Doppelbringsel, d.h. in einer ersten Phase hat das eigene Bringsel des Hundes noch keine Bedeutung. Nach dem Bringseln wird sofort auch gezeigt. So lernt der Hund den Ablauf des Brinselns und Zeigens vollständig.

Nachdem der Hund den Ablauf auf kurze Distanz begriffen hat, wird die Distanz vergrössert, die Figuranten besser versteckt und in schwierigerem Gelände geübt.

Wenn dies zuverlässig klappt und ist sicher, dass der Hund das Bringsel beim Figuranten sucht, dann wird wieder auf sehr kurze Distanz umgestellt. Der Figurant präsentiert kein Doppelbringsel mehr, sondern hilft dem Hund allenfalls durch Antippen oder Zeigen das eigene Bringsel aufzunehmen. Die meisten Hunde lernen so in ein oder zwei Übungssequenzen das eigene Bringsel aufzunehmen.

 

Probelem beim Bringseln:

  • Der Hund kann das eigene Bringsel nicht aufnehmen:
    hier muss kontrolliert werden, ob das Bringsel nicht zu kurz oder an einem zu engen Halsband angehängt ist.
  • Der Hund lässt das Bringsel fallen (auf dem Weg zurück oder kurz vor dem Hundeführer:
    Da stimmt das Spiel und/oder das Apportieren nicht. Wenn der Hundeführer das nicht glaubt, dann soll er im Wald ein korrektes Apportieren zeigen!
  • Der Hund nimmt das Bringsel weit vom Figuranten weg auf:
    Im Training wird wieder auf Doppelbringseln umgestellt, wobei der Hund kein eigenes Bringsel trägt. Zudem wird darauf geachtet, dass die Figuranten sehr gut versteckt sind, damit der Hund diese nicht schon von weitem sieht.
  • Der Hund zeigt den Figuranten nur zögerlich oder legt sich zuweit vom Figuranten hin:
    Es muss dem Figuranten mehr Bedeutung zugewiesen werden, in dem der Hundeführer die Belohnung des Hundes dem Figuranten überlässt, sich der Hundeführer übermässig für den Figuranten interessiert und den Hund nur am Rande beachtet beim Zeigen.
  • Der Hund hat kaum Zeit beim Hundeführer und will sofort zeigen:
    Dem Bringsel muss mehr Bedeutung zugewiesen werden, in dem der Hund mit Futter belohnt wird für das Zurückbringen des Bringsels oder in dem das der Hundeführer das Bringsel als wichtigen Schatz betrachtet, daran riecht und dem Hund zeigt, dass er etwas sehr wichtiges gebracht hat.

 

Fehlbringseln:

Es gibt verschiedene Gründe für Fehlbrinseln:

  • Unsicherheit und Stress:
    Der Hund hat erfahren, dass es gut ist, wenn er etwas zurück bringt. Und was gut ist, gibt Sicherheit und baut Stress ab. D.h. man muss versuchen, den Hund langsam an stressige und für ihn unsichere Situationen heranzuführen. D.h. der Hundeführer muss dazu angehalten werden, Sicherheit auszustrahlen, dem Hund klare, eindeutige Signale zu geben und konzentriert zu arbeiten. Durch Hilfen im richtigen Moment kann zudem der Stress eingegrenzt werden.
  • Angelerntes Fehlbringseln:
    Oft wurde durch fehlerhafte Verknüpfung dem Hund das Fehlbringseln angelernt. Es muss deshalb versucht werden, z.B. mit Videoanalyse, den Grund oder den Auslöser für das Fehlbringseln zu finden und anschliessend zu korrigieren.

Was tun, wenn sich ein Fehlbringseln nur ab und zu zeigt? Wie kann man das korrekte Bringseln festigen?

Nun, hier geht es darum, dem Hund zu lernen, dass er auch ohne Bringseln eine gute Arbeit macht (bei Leerschlägen oder beim Würstlilaufen). Natürlich könnte man das Problem auch umgehen, in dem man das Bringsel einfach weglässt, aber dies rächt sich spätestens bei der ersten Prüfung und ist deshalb keine Lösung.

Mögliche Lösungen:

  • Der Hund wird auf die eine Seite auf kurze Distanz ins Leere geschickt und in einem Moment zurück gerufen, in dem noch sicher ist, dass er kein Fehlbringseln zeigt. Beim zurückkehren auf die Mittelline wird er gelobt und direkt auf die andere Seite gesandt. Dort bekommt er einen Jackpot, ein Spielzeug oder darf Bringseln (je nach Hund ist das ein oder andere Besser).
  • Am Anfang des Reviers, wenn der Hund noch voll Power ist und deshalb als Übersprungshandlung fehlbringselt, setzt man Spielzeuge ein. Die ersten 4-5 Schläge pro Seite werden mit Spielsachen belohnt. Erst wenn der Hund etwas müde ist, wird er "nur" noch mit Würstli belohnt. Ab hier muss der Hundeführer den Hund bei der Passage auf der Mittellinie stark loben, z.B. nur mit Worten oder auch mit einem kurzen Spiel mit einer Beisswurst (je nach Hund ist das eine oder andere besser).